Jason Goldman aus New York / USA unterstützt in diesem Schuljahr den Englischunterricht an unserer Schule.

Die Schüler Cedric Schultheis und Leon Ressmann, Klasse 10d, interviewten den Amerikaner.

 

 

 

Hallo Jason, erzähl doch mal, was du hier in Deutschland machst.

Gerne, ich arbeite als Fremdsprachenassistent bei euch in der Anne-Frank-Realschule. Ich bekam vom Pädagogischen Austauschdienst ein Stipendium in Zusammenarbeit der Schulbehörde RLP und der Amerikanischen Fulbright-Kommission, das ist eine Organisation, die von einem Senator in den in den 1940er Jahren gegründet wurde, um sich für den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Amerika einzusetzen. Und ja, ich arbeite hier für ein Jahr, um euch US-amerikanische Kultur näherzubringen und euer Englisch zu verbessern.

Wie gefällt dir Deutschland?

Sehr gut. Ich war 2017 schon einmal in Berlin, ich habe mein Austauschsemester an der Freien Universität gemacht. Die Uni hat mir sehr gut gefallen und ich habe auch viel über die deutsche Kultur gelernt, besonders in meinem ersten Seminar habe ich eine Leidenschaft für die Sprache und dieses Land entwickelt.

Gibt es viele Unterschiede zwischen Deutschland und den USA?

Nein, nicht so viele. Das Schulsystem ist ganz anders, also in den USA geht jeder in die gleiche Schule bis sie 18 sind, und dann geht man in die Uni oder in eine 2-Jahres-Schule. Und hier hat man halt diese verschiedenen Stufen, das ist halt ganz unterschiedlich.

Aber die Kultur ist fast gleich. Die Schulen sind viel internationaler, weil wir in Europa sind, ganz anders als in Amerika. Hier gibt's viel mehr Sprachen und die Schüler in den Klassen sind halt unterschiedlicher (Anmerkung: Aufgrund verschiedener kultureller Hintergründe).

Aber es ist nicht so viel anders.

Du kommst ja aus der Nähe von New York. Das ist ja dann eine Weltstadt. Wie ist es denn, wenn man ins beschauliche Montabaur kommt. Ist das nicht ein riesiger Unterschied?

Ja, es ist ein großer Unterschied. Meine Uni war auch in einer kleinen Stadt, ähnlich wie Montabaur, also finde ich es nicht ganz so unangenehm in einer kleinen Stadt zu leben. Ich glaube auch, dass das vielleicht der Grund, warum ich hierhin geschickt wurde. Montabaur ist vollkommen unterschiedlich, aber es ist auch gut.

Wie lange bleibst du in Deutschland?

Ich bin hier bis zum 01. Juli 2019. Danach gehe ich zurück in die USA.

Glaubst du, dass du Deutschland vermissen wirst?

Ja, vermutlich wenn ich wieder zuhause bin. Viele Amerikaner verlassen die Staaten gar nicht, aber ich will meinen Horizont erweitern, neue Sprachen (kennen)lernen, neue Kulturen kennenlernen und ich denke, ich werde versuchen zurückzukommen.

Vermisst du die USA?

Ich vermisse meine Freunde und Familie am meisten. Ich habe mit meinen Freunden in der Uni zusammengewohnt und im Moment sind wir alle an unterschiedlichen Orten. Das erste Jahr ist schon hart.

Wie viele Menschen kommen auch nach Deutschland und machen das gleiche wie du?

Etwa 130, die habe ich aber auch erst hier in der Einführungsphase kennengelernt.

Willst du später Lehrer werden?

Ja, wahrscheinlich schon. Ich habe viel überlegt und ich finde es immer schön mit euch zu arbeiten und vielleicht werde ich dann ein Lehrer in der Zukunft sein. Ich werde mich entscheiden, wenn ich zurück in den USA bin. Ich will vielleicht nochmal ein Assistentenjahr machen.

Willst du dann Deutsch unterrichten?

Ja, könnte sein. Es gibt nicht viel Deutschunterricht in den USA und dann nur auf manchen High Schools und Unis, aber ich würde auch gerne Geschichte unterrichten.

Gibt es eigentlich viele Vorurteile von Amerikanern gegenüber Deutschen, also typische Klischees?

Man sagt, dass ihr nicht so freundlich seid, aber die Erfahrung habe ich nicht gemacht. Man sagt auch, dass ihr sehr gut organisiert seid, viel Bürokratie usw. Ich habe immer noch nicht mein Visum bekommen! Ich warte immer noch. Aber auch da gibt es Unterschiede. In Berlin ist es fast wie in New York oder London, aber hier sehe ich schon ein paar Klischees.

Wie hast du Deutsch gelernt?

Also an meiner Uni muss jeder eine Sprache wählen und als ich angefangen habe, dachte ich, ich würde nach Wien reisen. Ich interessiere mich sehr für klassische Musik und meine Interessen haben sich ein bisschen verändert, aber der Deutschkurs an meiner Uni war sehr nett und dort waren nette Leute, also habe ich Deutsch genommen. Dann hatte ich mein Austauschsemester in Berlin, habe meine Sprachkenntnisse vertieft und es dann studiert.

Was sind die meistgesprochenen Fremdsprachen in den amerikanischen Schulen?

Also an meiner Schule kann man Spanisch, Italienisch, Französisch, Latein und Chinesisch lernen, letzteres erst in den letzten 10 Jahren. Deutsch ist eher im Mittleren Westen verbreitet, zum Beispiel in Pennsylvania und den Staaten im Nordosten, da dort viel mehr Deutsche angesiedelt sind.

Gibt es viele Deutsche Einwanderer in den USA?

Ich weiß nicht wie viele, aber ich würde schon sagen ja, wir haben ja viele europäische Immigranten.

Gibt es viele Lateinamerikaner?

Ja, in meiner Stadt gibt es viele. In Großstädten gibt es viele aus Lateinamerika, aber in kleineren Städten eher Menschen mit europäischem Migrationshintergrund.

Ihr habt ja einen polarisierenden Präsidenten, was halten die Amerikaner von ihm?

In meinem Kreis hat keiner für ihn gewählt. Durch seine Politik und seine Taten haben wir einfach die Schlussfolgerung gezogen, dass er für uns ein schlechter Präsident ist. Ein großer Teil der Bevölkerung steht jedoch auf seiner Seite. Es gibt z.B. Menschen, die nur den Nachrichtensender "Fox-News" schauen und da dieser nicht unabhängig ist, verbreitet er immer wieder sogenannte "Fakenews", die von diesen Leuten dann natürlich geglaubt werden.

Bevor du nach Deutschland gekommen bist, hattest du da eine Vorstellung, wie es hier sein wird?

Nein, ich konnte es mir wirklich absolut nicht vorstellen. Nach dem Sommer bin ich hierhin gekommen und wir hatten dann drei Tage Einführung. Danach wurden wir zu unseren Schulen geschickt. Nach ein paar Tagen, an denen ich hier war, kamen die Herbstferien und ich konnte mir erstmal einen Überblick verschaffen.

Wie lange hast du Deutsch gelernt?

Vier Jahre in der Universität. Also 2,5 Jahre bevor ich das erste Mal in Berlin war und danach noch einmal 1,5 Jahre.

Gibt es viele Akzente in den USA?

Ja, ich habe zum Beispiel einen sehr starken New Yorker Akzent. In den Staaten gibt es viele große Unterschiede. Die Menschen reden dann z.B. langsamer oder schneller und sprechen die Wörter anders aus. Teilweise würden auch die Leute in meiner Region kein Wort mehr verstehen von dem, was die Personen beispielsweise aus Alabama von sich geben.

Vielen Dank für das Interview, Jason! Wir wünschen Dir noch eine schöne Zeit in Deutschland.

 

(Das Interview wurde von Cedric Schultheis und Leon Ressmann zum Teil aus dem Englischen übersetzt)

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