Geschichte

Im Rahmen der Unterrichtseinheit über den Nationalsozialismus tätigten die Klassen 10 der Anne-Frank-Realschule in Montabaur  am 13.01.2015 einen Besuch in der ehemaligen Tötungsanstalt für physisch und psychisch kranke Menschen in Hadamar. Durch eine Gruppenarbeit und eine anschließende Führung wurden den Schülern die Verbrechen der NS-Zeit verdeutlicht, sodass nochmal ganz andere Eindrücke entstanden.

Nach gemütlicher Anreise hießen uns die beiden Betreuer in getrennten, nach Klassen geordneten Gruppen, in den Seminarräumen herzlichst willkommen. Da das Interesse aller Beteiligten recht hoch war, führte uns der FSJler Phillip Erk in die Grundthematik der Euthanasieverbrechen in Hadamar ein. In zwei Phasen, die erste von 1941-1942 und die zweite von 1942-1945, wurden insgesamt über 14000 Menschen durch Gas, später auch durch Medikamente umgebracht, was die Gruppe sehr verwundert, gleichzeitig entsetzt hat.

Wie konnten so viele Menschen in so kurzer Zeit umgebracht werden? Diese Frage versuchten wir anschließend in einer Gruppenarbeit selbstständig zu erarbeiten. Dafür informierten wir uns in der hauseigenen Ausstellung und trugen uns nachher im Plenum die Ergebnisse  vor.

Nach einigen Ergänzungen des Guides begann auch schon der eigentliche Rundgang. Die erste Station war die aus Holz gefertigte Busgarage, in der die »Patienten«, unter einem Vorwand, in den berüchtigten »grauen Bussen« eingeliefert wurden. Diese wurden mittels verdunkelter Scheiben und Gardinen so verschleiert, dass man von außen nichts von den Geschehnissen mitbekam.

Durch eine ebenfalls verdeckte Schleuse, wurden die Menschen in das Hauptgebäude der Tötungsanstalt gebracht.

Durch die Tarnung mithilfe von Bettenräumen (heute Ausstellungsräume) und Pflegepersonal wurde den Eingelieferten suggeriert, sie seien in einer echten Pflegeeinrichtung angekommen. Ungeahnt der folgenden Ereignisse, wurden die Patienten entkleidet und bekamen alte Armeemäntel zum Anziehen.

Das dort stationierte Ärztepersonal, untersuchte die körperlich und geistig beeinträchtigen Personen auf Arbeitsfähigkeit und körperliche Wertgegenstände wie z.B. Goldzähne. Anhand der unterschiedlichen Ergebnisse bekamen die ahnungslosen Menschen individuelle Markierungen am Körper.

Anschließend wurden wir in das Kellergewölbe geführt, über dieselbe enge, steile und ungemütliche Treppe wie die damaligen Opfer dieser Missetat. Unten angekommen, wurde es Vielen schon allein durch den unangenehmen Geruch in den Katakomben mulmig.

Mit dem Hintergedanken, dass unter den eigenen Füßen tausende von Menschen ihr Leben gelassen haben, durften wir nun selbstständig einige Räume erkunden. Vom Wartezimmer aus gab es erste Eindrücke der Gaskammer, die man zu heutigen Tagen lediglich von außen betrachten kann, da man die Kammer noch so lange wie möglich erhalten möchte. Nichtsahnend warteten die Eingelieferten, vor dem als »Duschkammer« getarnten Raum, um anschließend durch eine qualvolle Vergasung zu sterben.

 

Nachdem der Akt der Tötung zu Ende war, wurden die markierten Toten nun im Sezierraum, auf einem Steintisch, ihrer körperlich wertvollen Gegenständen entraubt. Goldzähne wurden herausgeschlagen und Gehirne von Epileptikern an Universitäten, für Forschungszwecke, gesandt.

Als Nächstes durften wir den Ofen besichtigen, wo die vergasten und sezierten Menschen über eine extrem rutschige »Schleifspur«, aus einem speziellen Estrich bestehend, gezogen wurden. Darauffolgend schob man sie in den Ofen und verbrannte die Leichen. Den Gestank des Rauches roch man damals bis in die umliegenden Dörfer.

Mit angespannter Stimmung ging es zurück nach oben, wo wir eine kurze Pause mit Essen und Plaudereien einlegten, um danach die exakt 160 Stufen zum Massenfriedhof, der seit 1942 der Anlage angehört, zu steigen. Nach einer kurzen Einführung des Guides in die 2. Phase der Tötungsanstalt, lasen 5 Mitschüler einige kleine Biografien von damaligen Opfern, stehend an einem Denkmal, vor. Damals hat man pro Grab einen Holzpfahl aufgestellt und diese nicht mit Namen, sondern mit Nummern versehen, wovon heute allerdings keine mehr übrig sind. Es sind lediglich einige Stolpersteine auf dem ausgetretenen Pfad, zum Gedenken, zu betrachten.

Um diese Taten zu verdecken, haben die Nationalsozialisten ein ausgeklügeltes System verwendet. Sie veränderten z.B. die Sterbedaten der unschuldig Getöteten nach hinten. So konnte man verhindern, dass es auffiel, wie viele Menschen an einem Tag umgekommen sind. Zudem gaben die Ärzte eine falsche, krankheitsbedingte Todesursache nach einer kurzen Untersuchung an, weil man einen Vorwand brauchte, um die Angehörigen zu beruhigen.

Als Letztes stellten wir uns zu einer Reaktionsrunde in einem Kreis zusammen, wo jeder für kurze Zeit das Wort erhielt, um die insgesamt 3 Stunden noch einmal zu reflektieren und seine Eindrücke zu schildern. Die Resonanz war durchweg positiv. Das insgesamt gut erhaltene Gelände war das ausschlaggebende Argument, dass dieser Ausflug zu einer informativen Bereicherung für die ganze Klasse wurde.

Wir bedanken uns aufrichtig bei der Gedenkstätte Hadamar und deren Mitarbeitern für diese interessante Führung

Als sei es eben erst von fleißigen Römertruppen fertiggestellt worden, strahlen die weißen Mauern des Limeskastells in Pohl über die grüne Landschaft. Dass der äußere Schein trügt, weil die Steinmauern in Wirklichkeit nämlich aus Holz bestehen, das lernten die Schüler schnell bei ihrem dreistündigen Besuch der nachgebauten Anlage.

Aber die Römer wollten die Einwohner der Region beeindrucken und sichtbar ihre Macht, ihr Können und ihre Überlegenheit demonstrieren. Offenbar mit Erfolg. Denn bei den sachkundigen Ausführungen der Referenten fiel auch der Begriff „Friedenswall“, da die Limesanlage für rund 150 Jahre blutige Grenzstreitigkeiten verhindert hat.

Und die Westerwälder? Sie staunten sicher nicht schlecht über Toiletten mit Wasserspülung, über Badeanstalten, Städte- und Häuserbau aus Stein und, natürlich, über die ungeheure Schlagkraft einer Berufsarmee, die aus Elitesoldaten mit Hightech-Waffensystemen bestand und denen scheinbar kein Feind gewachsen war.

Deshalb gehörte zum abwechslungsreichen Programm der Betreiber in Pohl auch ein Schnellkurs im Bogenschießen und, vor allem, die Einkleidung eines Schülers als Soldat. Nach einem Rundgang durch die detailgetreu rekonstruierte Anlage mit vielen interessanten Sehenswürdigkeiten zum Alltagsleben der Bewohner ging es am Mittag aber wieder zurück zur Schule.

Der Besuch des Limeskastells markierte auf unterhaltsame Weise einen wichtigen Aspekt moderner Unterrichtsgestaltung. Denn selten ist es möglich, den Römern so dicht auf die Pelle zu rücken.

Die Klassen 7c, 9b sowie 9g der Anne -Frank Realschule plus haben sich am 15. November im Haus der Jugend in Montabaur einen Vortrag von Edith Erbrich über die Judenverfolgung angehört. Die heute 76-jährige Jüdin erzählte uns, wie Sie das dramatische Ereignis miterlebt und verarbeitet hat.

Hier ein Bild von einem Schüler gezeichnet:


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