Die Klassen 7c, 9b sowie 9g der Anne -Frank Realschule plus haben sich am 15. November im Haus der Jugend in Montabaur einen Vortrag von Edith Erbrich über die Judenverfolgung angehört. Die heute 76-jährige Jüdin erzählte uns, wie Sie das dramatische Ereignis miterlebt und verarbeitet hat.

Zu Beginn waren es nur Verbote wie das Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel, das Einkaufen zu bestimmten Zeiten, das Führen eines eigene Unternehmens. Darauf folgten die Anordnungen, den Judenstern sichtbar tragen zu müssen und keine Schule besuchen zu dürfen. Oft bekam Edith, die als Kind in Frankfurt am Main gelebt hatte, Bombenanschläge auf jüdische Häuser mit. Auch ihr Elternhaus wurde attackiert. Wie sie berichtete, war es wie ein Wunder, dass sie sich aus den Trümmern retten konnten. Da ihre Eltern eine sogenannte Mischehe führten, wurde ihre Mutter nicht mit nach Theresienstadt deportiert, obwohl sie darum gebeten hatte. Das Gefühl, von der Mutter getrennt zu sein und sie vielleicht nie wieder zu sehen, war das Schlimmste für die damals Siebenjährige. Gemeinsam mit anderen Juden, ihrem Vater und ihrer großen Schwester fuhr sie in einem Viehwagen in Richtung Theresienstadt in der Nähe von Prag. Während der Fahrt ließ ihr Vater Postkarten fallen, die später von „Stillen Helfern“, wie Edith sie immer nannte, an ihre Mutter weitergeleitet wurden. Nach der viertägigen Fahrt wurden die Geschwister von ihrem Papa getrennt. Da ihre Schwester über zehn und somit arbeitsfähig war, wurden auch sie voneinander getrennt. Ihren Vater, der in einer Küche arbeitete, sah Edith nur einmal die Woche. Aus Hunger und Verzweiflung aß sie heimlich die von den Küchenarbeitern mitgenommenen Kartoffelschalen. Es ist für uns heute unvorstellbar, in welcher Situation Edith gewesen sein muss.

Einige Wochen nach der Befreiung von Auschwitz wurde auch das Konzentrationslager Theresienstadt von der russischen Armee befreit. Die Erbrichs sind dann zurück nach Frankfurt getrampt. Edith hat nicht  glauben können, dass Sie das überleben und ihre Mutter jemals wiedersehen würde. Heute hält Edith Vorlesungen an Schulen. Für ihr Engagement beim Studienkreis deutscher Widerstand erhielt sie das Bundesverdienstkreuz. Auf diese Verleihung ist sie besonders stolz. Für uns ist es kaum nachzuempfinden, was die Menschen damals durchgemacht haben. Durch solch einen Vortrag ist man eher ergriffen und nimmt mehr mit als man je von einem Geschichtsunterricht lernen kann. Wir bedanken uns herzlich bei Edith Erbrich für die gelungene Veranstaltung.

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