„Schöne Neue Welt“ oder Gefahr aus dem Netz?

Informationsveranstaltung zum Thema Medienkompetenz an der Anne – Frank -  Realschule plus in Montabaur

Angesichts der zunehmenden Nutzung von Web2.0-Angeboten, vorrangig sind die sogenannten „SocialCommunities“ gemeint, und der damit verbundenen Probleme vor allem von jugendlichen Surfern, nutzten zahlreiche Eltern und Schüler die Gelegenheit, sich bei einer Informationsveranstaltung in der Anne-Frank-Realschule plus auf den neuesten Stand zu bringen. Die Schulen sollten die Bedeutung der Internet-Aktivitäten in ihrer Erziehungsarbeit sehr ernst nehmen, lautet das Credo des Landesdatenschutzbeauftragten Rheinland-Pfalz. Mit Stefan Friemel konnten die Veranstalter einen sachkundigen Referenten gewinnen, der auf diese Forderung hin kompetent Rede und Antwort stand und das Thema Datenverantwortung und Datenschutz in den Vordergrund seines Vortrags stellte.

„In nahezu 100 Prozent der Haushalte mit Jugendlichen steht ein Internetzugang zur Verfügung“, führte er aus, „wobei die Hälfte der jungen Leute einen eigenen PC bedienen“. Wenn dann eine durchschnittliche Dauer von 134 Minuten pro Tag allein an Internetnutzung angenommen werden kann, muss man nach den Gründen und natürlich auch nach den Folgen fragen. „Wer bin ich eigentlich – und wie viele?“, so laute, etwas provokant formuliert, die aktuelle Frage vieler jugendlicher Nutzer, die im Netz auf der Suche nach Beziehungen und nach Identität seien. Viele führten zu Hause im SocialWeb ihr soziales Leben weiter, suchten sogenannte „Freunde“.

In einer eigenen vernetzten Welt tritt man Gruppen bei, erhält Einladungen, Erinnerungen an Termine und Treffen: Man gehört dazu. Oder eben auch nicht. Das alte „Mein Freundebuch“ hat ausgedient. Man kann jetzt zwar stolz auf die Sammlung von Gleichgesinnten sein, diese Sammlung kann leicht mehrere Hundert Kontakte umfassen, doch um die jetzt geschlossenen Bekanntschaften muss man sich zeitaufwendig kümmern, sonst ist man außen vor. Das ließ  Friemel die Frage stellen, ob zu Hause immer genügend Zeit sei für das persönliche Gespräch; denn überbordende Internet-Kontakte könnten durchaus eine Antwort sein auf zu geringe Anteilnahme am Leben junger Menschen.

In diesem Zusammenhang müssten sich die Eltern auch darüber klar werden, wie viel Verantwortung sie Ihrem Kind übertragen sollen, zumal die Gefahren allzu blauäugiger und gutgläubiger Nutzung der Web-Angebote durchaus bedrohliche Ausmaße annehmen könnten. Neben den Verführungsstrategien pornografischer Anbieter sowie des politischen und religiösen Extremismus sind es vor allem die eigenen, persönlichen Daten, die anfällig sind für Missbrauch. „Google erzähle ich mehr als meinem besten Freund – oder auch dem Beichtvater“, führte Friemel aus und belegte die These mit handfesten Fakten. Und: Man wisse nie, wer die eigenen Daten sieht, liest und nutzt.

Die vom Land Rheinland-Pfalz unterstützte Veranstaltung wurde im Rahmen des Schulprogrammes „Medienkompetenz macht Schule“ durchgeführt und soll die hier zu leistende Arbeit im Unterricht unterstützen. Und das Thema brennt offenbar vielen unter den Nägeln: Wegen des großen Interesses der Zuhörer stand der Referent auch nach der Fragerunde im Plenum in vielen Einzelgesprächen interessierten Eltern und Schülern Rede und Antwort.

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